„Dann darfste ja bald gar nichts mehr!“

Wer um bewussten Konsum bemüht ist, hat es nicht einfach im alltäglichen Leben. Schon alleine der Verzicht auf Fleisch wird zum Teil gesellschaftlich geächtet und bei mancher Geburtstagsfeier sitzt man mit einem Stücken trocken Brot da, während sich andere die Currywurst reinschaufeln. Der Einkauf in diversen Discountern verliert an Atrraktivität in Anbetracht der Tatsache, dass das Superschnäppchen  eigentlich nur das Ergebnis von Lohndumping und miesen Machenschaften von geldgierigen Konzernbossen darstellt. Spätestens seit der Reportage der öffentlich-rechtlichen über die katastrophalen Arbeitsbedingungen  indischer Näherinnen und deren unverhältnismäßig schlechte Bezahlung beim Kleidungsdiscount kik sind einige Menschen aufgeschreckt und überlegen zweimal, ob  billig sich wirklich rentiert. Aber sind  wir dazu bereit, unseren Konsum tiefgehender  und eigenständig zu hinterfragen, wenn wir nicht grade mit der Nase hinein gedrückt werden? Sind wir für die Tatsache,  dass eine andere Realität hinter den Dingen die wir täglich konsumieren steckt als uns suggeriert wird, wirklich offen? Und meine wichtigste Frage lautet: Sind wir dazu bereit  zu verzichten?

„Ich will das alles gar nicht wissen“ lautet in der Regel der Verbraucherkonsens, wenn wir  Informationen hören über die Hintergründe wo unser Zeugs eigentlich herkommt das wir täglich essen, anziehen, rauchen, lesen und sonstwie konsumieren. Denn wenn diese Dinge  erstmal in unser Bewusstsein dringen  kauft es sich doch gleich viel unentspannter und der Zweck, uns durch Konsum besser zu fühlen, bleibt auf der Strecke. Ein weiterer Punkt, warum sich viele nicht damit auseinander setzen wollen, ist reine Bequemlichkeit. Fangen wir nämlich erstmal an, die Produkte zu hinterfragen und daraus die Konsequenz zu ziehen, diese zu boykottieren, müssen wir ganz schnell erkennen, dass so ziemlich alles in unserem Alltag auf Kosten der Qualität, der Mitarbeiter oder der Ethik und unserer  Gesundheit produziert wird. Und da so ziemlich die meisten Marken  den  Großkonzernen wie Müller, Kraft, Nestlé, H&M, Unilever, Coca Cola, usw. zu eigen sind, ist der Kühlschrank schnell mal leer, der Körper nackt und das Ego am Boden. Und nun?

Die meisten Alternativen sind entweder teuer, sehen scheiße aus oder beides, lassen sich dank durchdachter Werbestrategien der Bösen nur schwer finden oder haben einen schlechten Ruf. Beispiel Homöopathie: Im Allgemeindenken verteufelt da es ja angeblich nur auf einem Placeboeffekt beruht (das Homöopathie  bei Tieren erwiesener Maßen besser wirkt als bei Menschen, dürfte dies widerlegen). „Das ist ja nur Hokuspokus, Geldmacherei!!“ Die wahre Geldmacherei , meine Freunde, betreiben doch die Ficker, die dies auch noch zu Lasten unserer Gesundheit machen, indem  bei Medikamenten schwere Nebenwirkungen (zT. heftiger als die Krankheit an sich, die versucht wird, zu kurieren) in Kauf genommen werden, indem pflanzliche Alternativpräparate nur unter schweren Auflagen als Heilmittel deklariert werden dürfen, welche mit so hohen Kosten verbunden sind, dass der gemeine kleine Vertrieb sich dieses nicht mehr leisten kann und somit die Pharmakonzerne wieder das Ass im Ärmel haben.

Ich schweife ab, weiter zur Alternativenfindung bzw. unserer diesbezüglichen Unwilligkeit.Mehr ausgeben wollen wir schließlich auch nicht und so landen die aus Neuseeland eingeflogenen Äpfel für 1,99 Euro das Kilo in unseren Einkaufswagen statt der C02 neutralen Alternative vom regionalen Biobauern, weil die einen Euro mehr kostet. Widersprüchlich ist dies allemal, aber spätestens hier sollten doch die Alarmglocken schrillen und wir sollten uns fragen, wer letztlich eigentlich für unseren Geiz aufkommt.

Aber wir suchen nach Ausreden, die uns in unserer Bequemlichkeit halten und uns in ihr auch noch bestätigen.“So ist das System, da kannste nichts machen, wenn wir das jetzt alles nicht mehr kaufen würden, würden die Leute auch wieder ohne Arbeit da stehen und hungern, somit unterstütze ich diese im Endeffekt ja noch!“ Nööööööt, Denkfehler! Ich wiederhole: Nicht die Arbeiter sind es, die wir damit unterstützen, sondern die raffgierigen und skrupellosen Konzernchefs!  Um noch einmal auf das Beispiel kik zurückzukommen: Während der  Konzern im letzten Jahr 1,5 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat, verdient eine Näherin in Bangladesh monatlich umgerechnet rund 25 Euro, ein Hungerlohn selbst für indische Verhältnisse.Wir leben in Wohlstand, weil millionen Menschen dafür hungern und sich zu Tode schuften, es ist so. Ist dir dein persönlicher Komfort soviel wert, dass du dies in Kauf nimmst?

Jeden Tag geben wir an der Kasse ein Statement darüber ab, ob wir mit den Bedinungen, wie dieses Produkt hergestellt wurde, zufrieden sind oder nicht. Boykottieren wir die Sachen, die ethisch, moralisch oder gesundheitlich nicht vertretbar sind, werden die Konzerne dazu gezwungen, ihre Handlungsweise zu ändern. Konsum ist die Triebfeder dieses kapitalistischem Systems. Entziehen wir ihm das Geld, entziehen wir ihm die Macht.  Ich verlange von niemandem, auf  Alles zu verzichten. Leiste deinen Beitrag, da wo du es kannst. Machen wir uns unser Kaufverhalten und die Entscheidungen, die wir treffen, bewusst und vor allen Dingen: Seien wir mehr als Konsumenten.

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Eine Antwort zu „Dann darfste ja bald gar nichts mehr!“

  1. Mela Nie schreibt:

    Bin ganz deiner Meinung – Es ist nicht immer leicht sich dessen Bewusst zu sein und richtig zu Handeln – aber auch die kleinsten Schritte zählen – diese Geiz ist Geil Mentalität muss sich wieder wandeln – und entgegen der allgemeinen Meinung sind wir doch alle in der Lage unseren Beitrag zu leisten. Und sei es nur wenn wir die Eier beim Bauern um die Ecke kaufen anstatt uns über die Tierhaltung zu ärgern und doch die billigen Eier im Supermarkt kaufen.

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